Übersicht: Tipps, Tricks und Tutorials im Vektorgarten
Testdrive Canvas Draw

Dieses Programm hat es nicht in den gedruckten Vergleich in der c't (das Heft gibt es hier zu kaufen) geschafft. Aber ich habe es mir angesehen, dann kann ich auch ein paar Sätze dazu schreiben.

Abb: Die Oberfläche von Canvas Draw mit einer Beispieldatei
Canvas existiert wie fast alle anderen getesteten Vektorprogramme seit Urzeiten. Es kommt allerdings eher aus der CAD-Ecke und besitzt für diesen Bereich einige interessante Funktionen.
Die Werkzeugpalette sieht zunächst wenig umfangreich aus, aber unter allen Werkzeugen verbergen sich größere Gruppen weiterer Werkzeuge. Die Formwerkzeuge sind eher auf den CAD-Bedarf ausgerichtet; mit Rechtecken und Kreisen aus mehreren Punkten, ineinander liegenden Kreisen, Rastern, Spiralen, Sternen oder einer isometrischen Box. Die Formen sind editierbar.
Neben dem Zeichenstift gibt es ein Spiro und ein Buntstift-Werkzeug zum freien Zeichnen von Formen, jedoch keine drucksensitive Eingabe. Die Funktionen zum Vereinfachen von Pfaden sind enttäuschend, für das Zusammenfügen von Pfadsegementen (und damit für die Nachbearbeitung von CAD-Daten) gibt es allerdings viele Optionen.

Flowcharts werden nicht mit einem Werkzeug, sondern über eine Palette generiert.
Beim Zeichnen unterstützen Ausrichtungshilfen und intelligente Hilfslinien. Die Richtung der Achsen und damit der Quadrant im kartesischen Koordinatensystem lässt sich einstellen.
Für die Konstruktion stehen lediglich Boolesche Operationen zur Verfügung. Eine Linsenfunktion gibt es ebenfalls – der Inhalt des Linsenobjekts aktualisiert sich dynamisch, wenn man es bewegt. Sechs Hüllenverzerrungen und eine Interpolationsfunktion erleichtern die Konstruktion. Drei 3D-Funktionen besitzt Canvas, sie erzeugen Vektorobjekte.

Man kann Labels setzen, Anmerkungen in der Datei anlegen sowie verschiedene Arten von Bemaßungen anlegen, die jedoch nicht fest mit den Objekten verbunden sind und sich damit auch nicht bei Objektänderung aktualisieren.

Interessant sind die Skalierungsoptionen, mit den man auf einen bestimmten Umriss oder einen Flächeninhalt skalieren kann.

Die aktuellen Maße von Objekten kann man bequem in der Infoleiste aufrufen.

In Canvas kann man Farben als RGB, CMYK, HSL oder Pantone-Farben einstellen, 5 verschiedene Verläufe, Muster, Schraffuren, Texturen zuweisen. Konturen können neben Strichelungen auch kalligrafische Linien, Streifen, Neon-Konturen und Symbol-Konturen erhalten. Interessant sind die Pfeilspitzen. Sie lassen sich so einstellen, dass ein Pfeil oder ein anderes Symbol auf jedem Ankerpunkt sitzt. Eigene Konturenformen kann man nicht erstellen, lediglich die Vorgaben bearbeiten.

Man kann damit aber durchaus auch illustrieren, wie die Demo-Dateien beweisen. Bei der Beurteilung von Demo-Dateien aller Art sollte man natürlich bedenken, dass Illustrations-Profis mit fast jedem Programm zaubern können :-) Canvas' Illustrationsfunktionen gehen zwischen all den CAD-Werkzeugen etwas unter.
Mehrere Seiten und mehrere Ebenen werden sowohl in einer Palette als mit Reitern am unteren Bildschirmrand erstellt, verwaltet und angezeigt. In Canvas kann man auch mit einer Musterseite arbeiten. Sollte man etwas trotz Ebenenverwaltung nicht wiederfinden, hilft eine Finden-Funktion.

Auf mehreren Ebenen lassen sich Objekte animieren, man kann daraus ein animiertes GIF speichern.
Für Texte gibt es viele Formatierungsmöglichkeiten – nicht ganz so ausgefeilt wie in Layout- oder Designsoftware, aber immerhin auch mit einer dem Adobe-Absatzsetzer vergleichbaren Option. Auch Formularfelder kann man anlegen. Pfadtext kann das Programm ebenfalls.
In Canvas kann man mit Schnitt- und Alphamasken arbeiten. Das Programm besitzt auch diverse Pixel-Werkzeuge – sie erzeugen sofort Rasterdaten. Eine ganze Reihe rasterbasierte Effekte gibt es ebenfalls.
Canvas arbeitet mit Farbmanagement. Auf den PDF-Export für den Druck sollte man sich aber lieber nicht verlassen. Die CMYK-Werte werden verändert.
In Canvas findet sich auch das lustigste Werkzeug-Icon des Tests: es dient zur Bearbeitung von Alphamasken.

+ interessante, eigenständige Funktionen sowohl für CAD als auch für die Illustration
- nicht geeignet für die Druckvorstufe
- Im Bereich von Konturen und Flächengestaltung bestehen zu wenige Anpassungsmöglichkeiten
Systemanforderungen und Preis:
Mac OS Sierra (mind.)
4 GB RAM
249$ oder 99$/Jahr Abo
(Windows-Software ebenfalls erhältlich, es handelt sich dabei um ein anderes Programm mit erweitertem Funktionsumfang und höherem Preis)
https://www.canvasgfx.com/en/products/canvas-draw
© Monika Gause, 2018 . Impressum/Datenschutz . Grafik . mediawerk
